Was ist eine Vorsorgevollmacht? Warum brauche ich eine Vorsorgevollmacht? Diese und weitere Fragen, beantworte ich Ihnen in diesem Blogbeitrag.

Beginnend mit einer grundlegenden Definition, werden wir uns anschließend damit beschäftigen warum man überhaupt eine Vorsorgevollmacht braucht und was die nötigen Voraussetzungen seitens des Vollmachtgebers und des Bevollmächtigten sind. Bevor abschließend auf Formvorschriften sowie die Notwendigkeit einer notariellen Beglaubigung eingegangen wird, lege ich Ihnen natürlich den möglichen Inhalt einer Vorsorgevollmacht dar.

Vorsorgevollmacht – die Definition

Mit einer Vorsorgevollmacht bevollmächtigen Sie eine oder mehrere Personen stellvertretend für Sie zu handeln. Die Person handelt dann stellvertretend für Sie, wenn Sie handlungsunfähig sind. Je nach Ihren Wünschen, kann die Person Sie entweder allumfassend oder in bestimmten Bereichen vertreten.

Jetzt erstellen

Organspendeausweis

Patientenverfügung

Erstellen Sie jetzt Ihre persönliche

Vorsorgevollmacht

Sorgerechtsverfügung

Betreuungsverfügung

Wann bin ich handlungsunfähig?


Handlungsfähigkeit beschreibt die Fähigkeit seinen eigenen Willen der Außenwelt mitzuteilen. Im Umkehrschluss sind Sie handlungsunfähig, wenn Sie nicht mehr in der Lage sind Ihren eigenen Willen zu kommunizieren und dementsprechend zu handeln. Dies kann aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung der Fall sein.

Konkretes Beispiel: eine langjährige Freundin meiner Mutter ist geistig top fit, jedoch körperlich stark eingeschränkt. In diesem Fall greift die Vorsorgevollmacht und meine Mutter kann stellvertretend für Sie handeln.


Wann brauche ich eine Vorsorgevollmacht?


Eine Vorsorgevollmacht sollten Sie erstellen, wenn Sie eine rechtliche Betreuung vermeiden wollen. Eine rechtliche Betreuung tritt dann ein, wenn Sie keine Vorsorgevollmacht haben. In diesem Fall bestimmt das Betreuungsgericht einen Betreuer für Sie.


Können nicht einfach meine Angehörigen für mich sorgen?


Nein. Entgegen weit verbreiteter Meinung geht das nicht. Sobald eine rechtsverbindliche Entscheidung oder Erklärung gefordert ist, können weder Ihr/e Ehepartner/in noch Ihre Kinder Sie gesetzlich vertreten. Für Sie, als volljährige Person, können Ihre Angehörigen nur in zwei Fällen stellvertretend für Sie handeln: aufgrund einer Vorsorgevollmacht oder wenn Sie vom Betreuungsgericht als rechtlicher Betreuer bestellt wurden (= Betreuungsverfügung).

Wenn Sie also vermeiden wollen, dass das Betreuungsgericht eine fremde Person als Betreuer für Sie bestellt, müssen Sie eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung erstellen. Der Unterschied zwischen einer Vorsorgevollmacht und einer Betreuungsverfügung liegt in Ihrer Rechtsverbindlichkeit.


Was muss in einer Vorsorgevollmacht stehen?


Ihr/e Bevollmächtigter kann Sie allumfassend oder in bestimmten Bereichen vertreten. Doch welche Bereiche kann eine Vorsorgevollmacht überhaupt umfassen?

  1. Gesundheitssorge
    Im Bereich der Gesundheitssorge können Sie das Entscheidungsrecht ihres/r Bevollmächtigten in Angelegenheiten einer ambulanten oder (teil-)stationären Pflege bestimmen. Falls Sie eine Patientenverfügung haben, können Sie an dieser Stelle auf diese verweisen. Dadurch legen Sie fest, dass Ihr/e Bevollmächtigte/r dafür sorgen muss, dass Ihr erklärter Wille berücksichtigt wird.

    Einsicht in Krankenakten
    Teil der Gesundheitssorge ist die Einsicht in Krankenakten. In Ihrer Vorsorgevollmacht können Sie Ihrem/r Bevollmächtigten erlauben Ihre Krankenakten einzusehen und diese an Dritte herauszugeben. Außerdem entbinden Sie damit Ärzte und Pflegepersonal von der Schweigepflicht gegenüber Ihrem/r Bevollmächtigten.

    Mitbestimmung bei Behandlung
    Bei der Mitbestimmung bei Behandlung, geht es darum, ob ihr/e Bevollmächtigte/r einer Untersuchung Ihres Gesundheitszustands, einer Heilbehandlung oder ärztlichen Eingriffen zustimmen oder diese ablehnen darf. Außerdem kann ihr/e Bevollmächtigte/r Ihre Einwilligung widerrufen. Dieses Entscheidungsrecht bezieht sich auf Maßnahmen, bei denen die Gefahr besteht, dass Sie sterben oder Schaden erleiden.
  2. Vermögensverwaltung
    In einer Vorsorgevollmacht können Sie außerdem entscheiden, ob ihr/e Bevollmächtigte/r Ihr Vermögen verwalten darf. Bei einer Zustimmung können Sie bestimmte Geschäfte ausschließen.

    Hinweis: Für einige Bankgeschäfte benötigen Sie eine Konto- und Depotvollmacht. Banken sind bei Vorsorgevollmachten sehr streng. Bei einer unterschriebenen Vorsorgevollmacht ist es nicht zwingend ersichtlich, dass die Unterschrift auch wirklich Ihre ist und dass Sie zum Zeitpunkt der Unterschrift geschäftsfähig waren.

    Meine Empfehlung: Gehen Sie zu der Erteilung einer Konto- und Depotvollmacht persönlich und zusammen mit der Person, die Sie bevollmächtigen wollen zur Bank. So sind Sie im Fall der Fälle auf der sicheren Seite.
  3. Aufenthaltsort
    Ihrem/r Bevollmächtigten können Sie außerdem erlauben, dass er/sie Ihren Aufenthaltsort bestimmen darf. Hierzu zählen auch Entscheidungen über Ihren derzeitigen Wohnort, d.h. beispielsweise die Kündigung Ihres aktuellen Mietverhältnisses. In diesem Zuge können Sie weitere Wünsche angeben, wie beispielsweise ein Pflege- oder Altersheim.


Wann ist meine Vorsorgevollmacht gültig?


Für die Erstellung einer Vorsorgevollmacht müssen Sie volljährig und uneingeschränkt geschäftsfähig sein. Uneingeschränkt geschäftsfähig sind Sie, wenn Ihre Geistesfähigkeit nicht eingeschränkt ist und Sie Ihren Willen frei äußern können. Als Bevollmächtigte/n können Sie jede volljährige und geschäftsfähige Person bestimmen.

Bezüglich der Form gibt es keine gesetzlichen Vorschriften. Ich rate Ihnen jedoch Ihre Vorsorgevollmacht schriftlich zu verfassen. Eine nur mündlich erteilte Vorsorgevollmacht ist schwer zu beweisen. Sie können Ihre Vorsorgevollmacht handschriftlich oder mit dem Computer verfassen. Der Vorteil einer handschriftlich verfassten Vorsorgevollmacht liegt darin, dass die Gefahr einer Fälschung am geringsten ist und Ihre Geschäftsfähigkeit bewiesen wird. Außerdem empfehlen wir Ihnen Ihre Vorsorgevollmacht immer mit Ort, Datum und Ihrer Unterschrift zu versehen.

Eine notarielle Beglaubigung oder Beurkundung ist für eine Vorsorgevollmacht nicht nötig. Eine Ausnahme stellen Vorsorgevollmachten dar, die für Immobiliengeschäfte, Kreditaufnahmen und Bankgeschäfte verwendet werden sollen. Diese müssen notariell beurkundet sein. Natürlich können Sie Ihre Vorsorgevollmacht trotzdem notariell beglaubigen oder beurkunden lassen, falls Sie das möchten.
Sobald Sie Ihre Vorsorgevollmacht erstellt haben, ist diese gültig, bis Sie sie ändern oder widerrufen. Ich empfehle Ihnen jedoch Ihre Vorsorgevollmacht regelmäßig zu überprüfen, um festzustellen ob die Angaben noch Ihren aktuellen Wünschen entsprechen.

Eine Vorsorgevollmacht ist das Richtige für Sie? Mit unserem digitalen Vorsorgeassistenten können Sie sich über Ihre Vorsorgevollmacht informieren und diese kostenlos, schnell und einfach erstellen.

Danke für's Lesen!
Vielen Dank für das Lesen von meinem Blogbeitrag zum Thema "Vorsorgevollmacht - was ist das?". Ich hoffe der Beitrag war das was Sie gesucht haben und hat Ihnen Ihre Fragen beantwortet.
Ich freue mich, Sie bald wieder auf unserem Vorsorge-Blog zu begrüßen!